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Ravensburger Rebleutehaus von 1469 präsentiert sich beim Denkmaltag 2019

Auch im Jahre 2019 beteiligt sich die Familie Bouley mit einem weiteren historischen Gebäude am Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr wieder bundesweit am 8. September 2019 durchgeführt wird.

Als die Familie Bouley das Rebleutehaus Ende 2015 von der Stadt Ravensburg erwarb, folgte sie einer langjährigen Tradition, wichtige Ereignisse mit einer Butzenscheibe in einem Fenster der Rebleutestube festzuhalten. Um das Wappen von Jodocus Dressel, einem Urahn der Familie, der im Jahre 1775 die Meisterwürde in der Rebleutezunft erlangte, wird festgehalten: Vergangenes Bewahren, Gegenwärtiges Gestalten, Zukünftiges Sichern.

In der Hausgeschichte zum Rebleutehaus schreibt Beate Falk, Archivarin der Stadt Ravensburg, dass dort seit dem 14. Jhd. eine Herberge für wandernde Gesellen untergebracht war und ein Schanklokal, das gleichzeitig als Versammlungsraum diente, betrieben wurde. Dort gab es neben dem Ausschank von Ravensburger Wein auch Brot und Käse zum Verzehr.

Rebleutehaus als Zeugnis mittelalterlichen Zunftlebens

Mit 71 Mitgliedern bildeten die Rebleute die größte Zunft in der Reichsstadt. Dass das Rebleutehaus nicht an einem repräsentativen Standort in der Stadt Ravensburg steht, ist darauf zurückzuführen, dass die Zunft nicht so kapitalkräftig wie die anderen Zünfte war, da neben wenigen Rebeignern vor allem Taglöhner Mitglieder waren, die die Rebflächen der Patrizier und des Klosters Weißenau lediglich bearbeiteten.

Der spätgotische Zunftsaal im 1. Obergeschoss hat sich original erhalten. Der Raum ist mit einer Bohlenbalkendecke überwölbt, die wegen ihrer enormen Spannweite durch einen Unterzug zweigeteilt ist. Der Unterzug wird in der Mitte durch einen Holzpfeiler mit Sockel und Kapitell gestützt. Der Pfeiler trägt das Datum 1469. Die in die Decke eingeschnitzten „Herzblätter“ stehen als Symbol für die Liebe Gottes, die Mensch und Natur durchströmt. Nach Beate Falk manifestiert die Decke „einen Ewigkeitshimmel im Gegensatz zum irdischen Stubengeschehen“.

Mit der Auflösung der Zünfte Anfang des 19. Jhd. wurde das Rebleutehaus verkauft. Bis zum Erwerb des Hauses durch die Stadt Ravensburg im Jahre 1920 hatte das Haus mehrere Besitzer und diente als Bäckerhaus, mechanische Spinnerei oder Warenlager für Tuchwaren.

Heim der Sanitätskolonne des Roten Kreuzes und Feuerwehrheim

Im Jahre 1931 wurde das Gebäude der freiwilligen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes zur Nutzung übertragen. In diesem Zuge wurde die in drei Wohnräumen aufgeteilte ehemalige Rebleutestube wiederhergestellt. Nach Auszug des Roten Kreuzes kam eine Lieblingsidee des ehem. Oberbürgermeisters Dr. Sauer, dort ein Weinlokal mit dem Namen „Torkelstube“ unterzubringen, leider nicht zur Ausführung.

Stattdessen wurde Im Jahre 1967 das Rebleutehaus der Freiwilligen Feuerwehr übergeben, die dort das St. Florian-Heim einrichtete und bis zum Bezug der neuen Feuerwache am Gemalten Turm die Rebleutestube als Unterrichts- und Veranstaltungsraum nutzte.

Ab dem Jahre 1991 wurde das Rebleutehaus durch die Familie Bouley gepachtet, die bis zum frühen Tod von Sternekoch Albert Bouley die Rebleutestube als ein bei der Bürgerschaft beliebtes Speise- und Weinlokal führte.

1469 – 2019: 550 Jahre Rebleutehaus

Aus Anlass des 550-jährigen Jubiläums wird das Rebleutehaus am Denkmaltag 2019 für alle Bürgerinnen und Bürger offenstehen. Dabei können die Rebleutestube im 1. Obergeschoss und die ehemalige Weinlagerhalle im Erdgeschoss, in die mittlerweile ein innovatives Startup-Unternehmen eingezogen ist, besichtigt werden.

In einer Ausstellung in der Rebleutestube werden die unterschiedlichen Nutzungen und Nutzer des Ravensburger Rebleutehauses auf raumhohen Bilder- und Texttafeln vorgestellt. Vertreter des Roten Kreuzes und der Freiwilligen Feuerwehr schildern über ihre dortige Zeit und präsentieren ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Wissenswertes zum Weinbau, zu den Rebleuten und zum Zunftwesen werden aus berufenem Munde vorgetragen. Ein Familienvertreter wird über die Zeit der gastronomischen Nutzung unter Sternekoch Albert Bouley und zur Zukunft des Rebleutehauses berichten. Ein kleines aber feines Restaurant könnte eine willkommene Alternative zu der in Bewegung geratenen Gastronomie und Hotellerie in Ravensburg sein.

Die Veranstaltung wird am 8. September 2019 von 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr durchgeführt.

Bei geselligem Zusammensein und Getränkebewirtung sollen sich die Besucherinnen und Besucher an diesem Tag so wohl fühlen wie einst und je.

Nähere Informationen zum Denkmaltag 2019 können unter www.tag-des-offenen-denkmals.de abgerufen werden.

Historische Aufnahmen aus dem Stadtarchiv Ravensburg zum Rebleutehaus

Rebleutehaus um 1920 (Stadtarchiv RV)

Rebleutehaus um 1920 (Stadtarchiv RV)

Zunftrecht der Rebleute um 1330 (Stadtarchiv RV)

Zunftrecht der Rebleute um 1330 (Stadtarchiv RV)

Weinlese um 1920 am Veitsburghang (Stadtarchiv RV)

Weinlese um 1920 am Veitsburghang (Stadtarchiv RV)

Zunftstube mit Zunftscheibe um 1935 (Stadtarchiv RV)

Zunftstube mit Zunftscheibe um 1935 (Stadtarchiv RV)

Zunftstube mit Feuerwehrfahne um 1975

Zunftstube mit Feuerwehrfahne um 1975

Zunftstube um 1935 (Stadtarchiv RV)

Zunftstube um 1935 (Stadtarchiv RV)