Hotel Waldhorn
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Tag des offenen Denkmals 2018

Waldhornstammtisch von 1675 in den Altdeutschen Weinstuben als Highlight beim diesjährigen Denkmaltag.
Bundesweiter Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im September mit Ravensburger Beteiligung.

Seit Anfang Februar hat die Anmeldephase zum Denkmaltag am 9. September 2018 begonnen, der seit 1993 durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz veranstaltet wird. Seit nunmehr 25 Jahren hat sich dieser Tag zu der Kulturveranstaltung schlechthin für den Erhalt des Kulturerbes entwickelt.

Unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ können Besucher auf Spurensuche von überregionalen Einflüssen in Denkmalen gehen. Dabei können Fragestellungen nach der Herkunft von Handwerkern und Handwerkstechniken, Baumaterialien und Stilelementen verfolgt werden.

Das Waldhorn ist wieder mit von der Partie, das im vergangenen Jahr beim Motto „Macht und Pracht“ der Öffentlichkeit die Waldhornsäle als Festräume der Stadtgesellschaft öffnete. „Das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger an dieser Veranstaltung“, so der Initiator Reinhard Bouley, „ist willkommener Anlass, weitere historische Räumlichkeiten im Waldhorn zu präsentieren“.

Altdeutsche Weinstube von Bildhauer Josef Dressel

Wirkungsvoller als mit der denkmalgeschützten Altdeutschen Weinstube von 1880 mit ihrer historischen Ausstattung kann dem diesjährigen Motto kaum Ausdruck verliehen werden. Zu „entdecken“ gibt es die künstlerische Handschrift des gebürtigen Ravensburger Bildhauers Josef Dressel, der auf hohem schöpferischen Niveau den Raum gestaltete. Die klassische Raumfassung weist auf seine akademische Ausbildung an der Münchner Kunstakademie hin. Die ausschmückenden Reliefs und Plastiken mit Themen aus der antiken Mythologie spiegeln Eindrücke seiner mehrjährigen Aufenthalte in Florenz und Rom wieder. In einer kleinen Ausstellung wird mit Dokumenten und Werken aus Familienbesitz das Leben und Wirken von Dressel vorgestellt.

Waldhornstammtisch von 1675

Für „was uns verbindet““ steht, das schon seit Generationen, der Waldhornstammtisch. Die im Tischfuß wieder entdeckte Jahreszahl 1675 macht ihn wohl zum ältesten Stammtisch in Ravensburg. Selbst Stadtarchivarin Beate Falk zeigte sich überrascht, dass dieser Tisch nahezu 350 Jahre alle Turbulenzen der Zeit überstanden hat.

In Auftrag gegeben wurde der runde, mächtig ausladende und aus Eichenholz gefertigte Tisch wohl durch den Gastwirt und Hufschmied Friedrich Gösswein, der den damaligen Gasthof zum „Weißen Kopf“ von Christoph Schürmer übernahm, einem Corporal im Graf Carl Moritz Löwenhaupt’schen Regiment während des 30-jährigen Krieges.

Dieser Tisch zum regelmäßigen geselligen Zusammentreffen der Stadtbevölkerung und Gästen, an dem Kartenspiel gespielt und politische oder philosophische Diskussionen geführt wurden, steht im Mittelpunkt des Denkmaltags. Mit Fotoaufnahmen und Eintragungen in den Gästebüchern werden die vergangenen Jahrzehnte wieder lebendig. Berichtet wird von berühmten und illusteren Gästen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Am Tisch saßen schon Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissar Günther Oettinger, die Literaturnobelpreisträger Günter Grass und Herta Müller waren ebenso Gäste und wie die Sänger Udo Jürgens und Udo Lindenberg. Köstliche Anekdoten werden dabei nicht zu kurz kommen. Noch heute wird über einen stadtbekannten Zahnarzt geschmunzelt, der Vico Torriani angetrunken zur Zahnkorrektur in seine Praxis einlud oder über René Kollo, der angesäuselt eine Bravourarie unter dem Stammtisch gab.

„Es soll ein launiger und informativer Nachmittag für alle Denkmalinteressierte werden“, so Reinhard Bouley, „mit gutem Wein, schöner Musik und anregender Unterhaltung.“